Court-Saint-Étienne

Court-Saint-Étienne ist eine Gemeinde in der französischsprachigen Provinz Wallonisch-Brabant in Belgien.

Umgebung

Court-Saint-Étienne liegt zwischen Wavre und Nivelles, 35 km von Brüssel entfernt, im Herzen der Provinz Wallonisch-Brabant. Die Gemeinde mit ihren 11.000 Einwohnern erstreckt sich über ein Gebiet von fast 2.700 Hektar, wovon ein Drittel bewaldet ist. Mehrere Dörfer mit klangvollen Namen tragen zum ländlichen Charakter bei: Sart-Messire-Guillaume, Beaurieux, Tangissart, La Roche, Faux und Limauges.

Court-Saint-Étienne ist eine grüne, hügelige Gemeinde, durchflossen von den Flüssen Dyle, Thyle und Orne. Ein dichtes Netz von Wegen und Pfaden lädt zu attraktiven Wanderungen ein. Die Gemeinde ist gut erreichbar, da sie über die Nationalstraße RN 25, die die Autobahnen E19 und E411 verbindet, sowie über das Bahn- und Busnetz gut angebunden ist.

 

Geschichte

Die Gemeinde war traditionell landwirtschaftlich geprägt und blieb dies bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach 1847 industrialisierte sich das Gebiet jedoch, und unter der Führung des Ingenieurs Emile Henricot erlebten die metallverarbeitenden Betriebe einen bemerkenswerten Aufschwung und wurden fortan nach ihm benannt.

Nach ihrem Niedergang und ihrer Schließung im Jahr 1984 verfolgte die Gemeinde ein Revitalisierungskonzept für das Zentrum, indem die Industrieanlagen für Wohnungen, Gewerbebetriebe, KMU und verschiedene Gemeinschaftseinrichtungen umgenutzt wurden. Dabei wurden auch die zuvor durch die Fabriken versiegelten Wasserläufe freigelegt.

Zeugnisse der dörflichen Vergangenheit des Ortes

Um das alte Court-St-Étienne zu entdecken, laden wir Sie ein, den steilen, gewundenen Pfad hinauf zur Rue du Village zu nehmen, der von großen, abgerundeten Pflastersteinen gesäumt ist. Auf einem Felsvorsprung gelegen, verbindet er eine Reihe ehrwürdiger Häuser im neoklassizistischen Stil. Er führt zur Ceulemans-Mühle und ihren Teichen, die in den Thyle münden. Am Ende der Rue du Village befindet sich der Haupteingang zum Château Goblet d’Alviella neben der Kirche Saint-Étienne, die Ende des 17. Jahrhunderts im Barockstil wiederaufgebaut wurde. In ihr können wir insbesondere das Passionstriptychon aus dem 16. Jahrhundert bewundern. Wenn wir den Hügel gegenüber der Kirche hinaufgehen und auf halbem Weg das imposante Wegkreuz passieren, gelangen wir zum Friedhof mit einem Denkmal im Hindu-Stil: dem Mausoleum der Familie Goblet d’Alviella. Das zwölf Meter hohe Mausoleum wurde um 1886 für Graf Eugène errichtet. Er ließ es mit Ideogrammen versehen, die das menschliche Streben nach ewigem Leben symbolisieren, sowie mit der Inschrift: „L’Être unique a plus d’un nom“ (Das einzigartige Wesen hat mehr als einen Namen). Unterhalb des Schlosses führt uns unser Blick zur Rue de la Taverne, einem kleinen Viertel mit ockergelb gestrichenen Gebäuden, gefolgt von der Halle Nr. 11 der ehemaligen Fabriken.

Zeugnisse der industriellen Vergangenheit

Am unteren Ende des Place des Déportés repräsentiert die Halle nr 11 das goldene Zeitalter des Eisenarchitektur, wie sue von Gustave Eiffel geschaffen wurde. Am andere Ende erhebt sich der Sockel aus rosafarbenem Granit des Emile-Henricot-Denkmals, gekrönt von einer Bronzestatue, die einem Facharbeiter darstellt, der einem Lehrling sein Können demonstriert. Wir kehren dann zum Bahnhof bietet. Überqueren Sie den Bahnübergang. Neben der ehemaligen Werksarztpraxis befindet sich das Gemeindehaus. Seine Fassade mit ihren regelmässigen Linien führt zum Festsaal, der 1913 auf Initiative der Familie Henricot eingerichter wurde. 
Entlang der Bahngleise sehen wir das Haus des Hausmeisters am Haupteingang der Fabrik nr.2 und anschliessend das imposante Art-Déco-Gebäude, in dem sich die grossen Büros befanden. Daneben befindet sich der Schrottplatz, eine imposante, 3.000 m² Halle, die heute für bedeutende kulturelle und sachliche Veranstaltungen genutzt wird. Fährt man die Rue de Wisterzée hinauf, entdeckt man den Wisterzée-Park und den ehemaligen Gouverneurspalast, dessen imposante Grösse sich deutlich von der wunderschön , seltenen Baumgarten abhebt.

Ländliches Erbe

Als Ausgangspunkt für die herrlichen Wanderungen durch Wälder und Felder begeben wir uns nach Sart-Messire-Guillaume und zu seinem kleinen Dorfplatz, wo sich die Ferme de Sart, angrenzend an eine Wiese, befindet. Dieser Gutshof wurde auf den Grundmauern eines stattlichen Herrenhauses errichtet. Die Chapelle de Sart, die auf einem von Kiefern umgebenen Hügel thront, ragt in den Platz hinein. Das im 16. Jahrhundert im gotischen Stil mit Spitzbögen erbaute Gebäude wurde 1986 sorgfältig restauriert. Durchqueren Sie die kultivierte Ebene der Sart-Landschaft, um zum Justitiabaum zu gelangen. Der Ort, der seit dem 18. Jahrhundert auf Karten verzeichnet ist, beherbergt heute eine schöne Gruppe junger Linden. Jenseits der hohen Antennenanlagen liegt die Ferme du Sartage, eine große, quadratische Ansammlung von Gebäuden, deren Taubenschlagvorhalle einen Wasserspeicher beherbergt. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich die Lindenallee, die zur majestätischen Ferme du Chenoy und ihrem typischen Verandaturm aus dem Jahr 1830 führt.

Im Tal der Orne liegt die Ferme de Beaurieux am Fuße des Dorfes, erbaut 1721. Sie umschließt einen unregelmäßig geformten Hof mit Ziegel- und Steinbauten. Nicht weit entfernt befinden sich die Beaurieux-Mühle und die Ferme de la Vallée. Südlich der Gemeinde liegen die Weiler La Roche und Tangissart, beides Ansammlungen alter Schieferhäuser entlang einer steilen Straße, die zu bewaldeten Hügeln hinaufführt. Im äußersten Norden der Gemeinde, in Limauge, erwartet Sie schließlich die Chapelle aux Sabots. Die 1774 erbaute Kapelle war der Ort, an dem junge Mädchen regelmäßig einen Holzschuh aufhängten, um den Segen der Muttergottes der Grazien für ihre neuen Lieben zu erbitten.

 

Wappen

Seit dem 5. März 1914 führt Court-Saint-Étienne einen gevierten Schild als Wappen. Das erste Feld in silber zeigt einen grünen Berg in Anspielung auf die zahlreichen Hügelgräber, die in dieser Gegend gefunden wurden. Das zweite in gold zeigt den heiligen Stefan (saint Étienne) in blauem Gewand. Das dritte in silber zeigt einen grünen Baum, den Arbre de la Justice (Baum des Gerichts), der sich einst auf dem höchsten Punkt der Stadt befand und zur Hinrichtung der Schuldigen diente. Das vierte zeigt ein goldenes Getrieberad auf sandfarbenem Grund, welches für die metallverarbeitende Industrie steht, die der Stadt Wohlstand gebracht hat.

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Quelle (Photo und Text): Wikipedia – Court-Saint-Étienne